Viererbande der Verbände rüstet auf?
Der Unternehmer und Kammerzwangkritiker Heinrich Vetter nimmt mit seinem Schreiben an die Wirtschaftswoche Stellung zu ihrem Artikel “Viererbande der Verbände rüstet in Berlin auf” vom 16.07.2008. Wir werden mit Interesse beobachten, ob die Wirtschaftswoche auf dieses Schreiben reagiert und drucken es nachstehend ab.
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Viererbande der Verbände rüstet in Berlin auf (Wirtschaftswoche 16. Juli 2008/ Christian Ramthun)
Sehr geehrter Herr Dr. Ramthun,
mit großem Interesse habe ich heute Ihren Bericht “Viererbande der Verbände rüstet in Berlin auf” gelesen.
In diesem Bericht machen Sie folgende Aussage: “Mit den neuen Leistungen scheint auch die Kritik der sogenannten „Kammerjäger“ leiser zu werden, die gegen die Pflichtmitgliedschaft bei den regionalen Industrie- und Handelskammern zu Felde ziehen”.
Da ich mich auch zu diesen sogenannten “Kammerjägern” zähle, möchte ich dazu gerne etwas klarstellen. Falls es überhaupt stimmen sollte, dass die Kritik der sogenannten “Kammerjäger” leiser geworden ist, so liegt dies garantiert nicht an “neuen Leistungen” der IHKn oder deren DIHK e. V. , sondern höchstens daran, dass wir Mittelständler von einer verlogenen Politik fast nur mit volksverdummenden Antworten abgespeist werden.
Soetwas zermürbt natürlich auf Dauer, wenn sehr viele der Bundestagsabgeordneten in Sachen Abschaffung des Kammerzwangs gar nicht für Anti-Zwang-Argumente zugänglich sind, sondern ständig nur das nachplappern, was die Zwangskammer-Funktionäre ihnen zur ihrer eigenen Pfründe-Absicherung vorgeben.
Dr. Michael Bürsch (MDB/ SPD) war in dieser Beziehung vor kurzem jedoch eine rühmliche Ausnahme – Respekt vor diesem Politiker!
Sie finden seine Meinung zum Kammerzwang auf abgeordnentenwatch vom 21.5.2008 – hier antwortete er Herrn Chris Menne – unter Dr. Michael Bürsch (MdB/ SPD) zum deutschen Kammerzwang
Als “kostenverursachende Hemmschuhe und Arbeitsplatzbeschaffungsmaßnahmen für Funktionäre”, so haben bekanntlich schon Günter und Peer Ederer die Zwangsmitgliedschaften zu Berufskammern sehr treffend beschrieben. (siehe: Das Erbe der Egoisten, Seite 373, Goldmann-Verlag 1997)
Die Wahlbeteiligungen zu IHK-Vollversammlungen betragen in Deutschland fast nirgends mehr über 10 %. Hier ein paar Beispiele: in Köln zuletzt 9%, in Nürnberg7,7%, in München zuletzt genau 6,27% und in Berlin zuletzt 2007 knappe 4,5%, IHK Bodenssee-Oberschwaben Mai 2008 11,15 %, IHK Leipzig 2008 = 6,14 %. Die IHKn sind damit eine wahre Schande für die Demokratie.
Wer uns Unternehmern heute – allein angesichts solcher Zahlen – noch immer erzählen möchte, deutsche Zwangskammern seien “Die Selbstverwaltung der Wirtschaft” oder ähnliches, der gibt sich nur noch der Lächerlickeit preis oder setzt sich dem Verdacht aus, bestechlich zu sein.
Dass Bundestagsabgeordnete uns Unternehmer auch heute noch glauben uns mit solchem Unsinn verdummen zu können, liegt aber leider auch an der deutschen Presse, die über unsere Nöte und die Wahrheit zum Zwangskammersystem so gut wie nichts berichtet. Von den Zwangskammern und deren DIHK e. V. wird komischerweise aber fast täglich etwas gedruckt, und sei es noch so großer Nonsense! Die Kammerpropaganda funktioniert also.
Es ist überfällig, dass die deutsche Presse ihr Verhalten ändert und über diese Missstände berichtet. Auch Ihre Wirtschaftswoche könnte dazu beitragen.
Es wird jetzt wohl keinen Bundestagsabgeordneten mehr geben, dem das Thema Abschaffung des überflüssigen Kammerzwangs unbekannt ist, denn wir Anti-Kammerzwang-Gegner sind nach wie vor sehr aktiv.
Nachfolgend gebe ich einige Politiker-Aussagen wieder:
Marlene Mortler (MdB/ CSU) am 16. Juni 2008 per abgeordnetenwatch.de an Werner Riedel:
“Ich kann Ihnen versichern, dass dieses Thema (gemeint = Kammerzwang) auch in meinem Bekannten- und Verwandtenkreis oft “heiß” diskutiert wird.”
Wolfgang Bosbach (MdB/ CDU) am 23. April 2008 per Post an Helmuth Gaentzsch:
“Seit vielen, vielen Jahren erhalte ich mit schöner Regelmäßigkeit die Aufforderung, mich gegen das derzeitige Kammersystem auszusprechen.”
Bernd Scheelen (MdB/ SPD) nach seiner Wahl in den Berliner Bundestag wortwörtlich zu mir vor versammelter Presse:
“Als ich gerade neu im Berliner Bundestag war, bekam ich von meinen dortigen SPD-Genossen als erstes gesagt:”Wenn du von solchen Leuten (gemeint = IHK-Verweigerer) Post erhältst, so schmeiße die sofort in den Papierkorb!”
Detlef Parr (MdB/ FDP) beschwerte sich vor ein paar Jahren bei mir ein echt bitterlich, nachdem ich ihm auf seine wirklich dumme Antwort zurückschrieb, ob er als ehemaliger Direktor der Ratinger Realschule nicht einmal in der Lage wäre, einen gescheiten Antwort-Brief zu verfassen, wie folgt:
“Das haben Sie eben davon, dass Sie an so viele meiner Bundestags-Kollegen geschrieben haben.”
Willy Wimmer (MdB/ CDU) 1996 in seinem damaligen Wahlkreisbüro in Grevenbroich zu mir und zwei anderen Unternehmern wörtlich:
“Ich gebe Ihnen in fast allen Punkten (gemeint ist die IHK-Zwangsmitgliedschaft) recht, aber den Schuh, für Sie etwas tun zu können oder gar zu müssen, den ziehe ich mir nicht an.”
Wenn Sie einmal selbst bei abgeordnetenwatch.de hineinschauen, so werden Sie feststellen können, dass es dort insbesondere zu diesem Thema geradezu wimmelt von unsinnigen, verlogenen und völlg unreflektiert von den Zwangskammern übernommenen Antworten. Insbesondere die von angeblich liberalen FDP-Politikern gegebenen Antworten fallen auf, da diese sich nur in der Anrede und im Datum unterscheiden und es sich ansonsten um verlogen-dümmliche Textbausteine handelt.
In 19 der derzeit 27 EU-Staaten funktionieren Wirtschaft und Staat prima ohne die Zwangsmitgliedschaft zu einer Industrie- und Handelskammer. Es gibt wirklich kein einziges vernünftiges Argument, das für den deutschen Kammerzwang spricht.
Verehrter Herr Dr. Ramthun, aus Ihrer gewählten Überschrift “Viererbande der Verbände rüstet in Berlin auf” und dadurch, dass Sie Herrn Peer Steinbrück am Schluss zitieren, geht in meinen Augen eigentlich schon hervor, dass auch Sie im Grunde kammerkritisch eingestellt sind.
Ihnen und Ihrer Wirtschaftswoche wäre nicht nur ich sehr verbunden, wenn Sie einmal einen größeren Bericht zum deutschen Zwangskammerunwesen bringen könnten, der sich auch mit den Argumenten der Zwangskammer-Kritiker beschäftigt. Als erste Quelle für Ihre Recherchen empfehle ich Ihnen www.kammerwatch.de. Diese Webseite wird von einem CDU-Politiker und Unternehmer betrieben.
Mit besten Grüßen,
Heinrich Vetter
Strümper Str. 23
40670 Meerbusch
Tel.: 02159 – 23 88
Fax: 02159 – 5 11 88
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Auch Peter Höppner hat sich mit einem Leserbrief an die Wirtschaftswoche gewandt:
Liebe Redaktion,
sorry – aber die Kammerjäger werden nicht leiser, sondern aktiver. Es ist nur bezeichnend, dass kritische Leserbriefe – an welche Redaktion auch immer – schnell im Papierkorb landen.
Da das neonazistische Kammersystem fest in den Händen der gekauften Kammerfürsten liegt, setzen die Kritiker nicht mehr auf Meinungsfreiheit und politische Einflussnahme, sondern auf den Gerechtigkeitssinn des EuGH. Es dürfte Ihrer Redaktion wohl auch entgangen sein, dass in einer Nacht- und Nebelaktion das Widerspruchsrecht gegen Bescheide aufgehoben worden ist.
Da weder die Partei mit dem C – noch die Partei mit dem F den Freiheitssinn und den Ekel vor dem Kammerzwang erkennen, wird dieses Thema wohl bald bei der Partei mit dem L angesiedelt sein.
Letzte Hoffnung: Wir haben wenigstens noch freie Wahlen. Eine gute Zeit noch bis zum Ende des Kammerzwangs, von dem Sie dann auch ohne Leserbrief hoffentlich berichten.
Die Redaktion: es wird Zeit, dem Treiben des Zwangssystems ein Ende zu bereiten. Unterstützen Sie daher unseren Plan, Klage beim EuGH gegen den menschenrechtswidrigen Kammerzwang einzureichen.
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Entspannt sitzen. Scharf beobachten. Kammerzwang abschaffen.
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