Wo Gerechtigkeit nur eine Farce ist
Sind die Beitragsforderungen “Ihrer” IHK gerecht? Die IHK meint ja. Sie spricht von der Wirtschaftssolidarität zwischen starken und schwachen Unternehmen. Das hört sich wenigstens schön an.
von Stefan A. Duphorn, Redakteur
Wer viel verdient, kann auch ruhig etwas mehr zahlen. Die Reichen geben den Armen. Kann es aber gerecht sein, dass jede kleine Würstchenbude an eine Zwangskorporation genauso viel zahlt wie der größte Arbeitgeber in Hamburg?
Liebe Gewerbetreibende und Handwerker, hier sind drei prägnante Beispiele aus Hamburg. Urteilen Sie selbst!
Fall 1: Jil Sander
Die Hamburger Jill Sander AG hat jahrelang nur einen Beitrag von 153 Euro Beitrag bezahlt. So wie die Dönerbude um die Ecke. Okay, nun ist der einstige Weltkonzern auch fast zu einer Würstchenbude verkommen, aber immerhin hat die Londoner Private Equity Gesellschaft Change Capital Partners letztes Jahr noch 215 Millionen Euro für die Jil Sander AG bekommen. Was bekommen Sie für Ihr Unternehmen, wenn Sie es verkaufen?
Fall 2: HSH Nordbank
Im Zuge der Bankenkrise geriet auch die HSH Nordbank in eine Schieflage und musste hohe Abschreibungen vornehmen. Auch die Handelskammer konnte abschreiben: Ihren Beitrag. Denn mit dem Verlust sind nur noch 153 Euro fällig. Bei 30 Milliarden Euro Bundesgarantien sollten doch etwas mehr als die 153 Euro übrig sein. Nur noch mal im Vergleich die Zahlen:
30.000.000.000 Euro Bundesgarantie und 153 Euro IHK-Beitrag. Wie hoch ist die Bundesgarantie für Ihr Unternehmen?
Fall 3: Airbus
Im Jahr 2006 hat Airbus Deutschland einen Verlust von 712 Millionen Euro erwirtschaftet. Wir wissen alle, woran das lag: An den Problemen mit dem A380. Der IHK-Beitrag betrug 153 (in Worten: einhundertdreiundfünfzig) Euro. Bei rund 10.000 Airbus Mitarbeitern in Hamburg zahlte Airbus pro Mitarbeiter im Jahr 2006 einen Handelskammerbeitrag von nicht einmal 2 Cent. Was haben Sie pro Mitarbeiter gezahlt? Wieviele Euro an Subventionen erhielt Airbus bisher? Wieviele Euro an Subventionen haben Sie erhalten?
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Entspannt sitzen. Scharf beobachten. Kammerzwang abschaffen.
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Tags: Airbus, Hamburg, Handelskammer, HSH Nordbank, IHK, IHK-Beitrag, Jil Sander, Wirtschaftssolidarität


January 17th, 2009 at 11:28
Vielen Dank für diesen informativen Beitrag! Mit diesem Artikel treffen Sie den Nagel auf den Kopf!
Immer wieder behaupten die Kammern, aus „Solidarität“ auf einen zwangsweisen Einzug der Beiträge nicht verzichten zu können.
Die Handwerkskammer Ulm z. B. schickte mir – als Rentner – den Gerichtsvollzieher mit einem Hausdurchsuchungsbefehl, um einen Beitrag in Höhe von über 600 DM einzuziehen, aus „Solidaritätsgründen“.
Meine berechtigte Gegenforderung in Höhe von etwa 200 DM wurde von der Handwerkskammer Ulm deshalb nicht bezahlt und weil ich ein sogenannter Kammergegner sei. Im späteren Prozess erläuterte die Handwerkskammer Ulm aber, die Forderung ebenfalls aus „Solidaritätsgründen“ nicht bezahlen zu können.
Fazit: Nicht mal ein Rentner, der über 50 Jahre lang den Kammerbeitrag bezahlen musste, ist man vor den Klauen der Handwerkskammern sicher.
Also, nichts wie weg mit dem Kammerzwang,
Kurt Schlumpberger
09-01-17