Selbstbedienungsladen Handelskammer Hamburg?

Wenn Du nicht überzeugen kannst, dann verwirre wenigstens! So könnte der neue Jahresbericht der Handelskammer Hamburg für 2008 auch überschrieben werden.

Viel schmückendes Beiwerk. Wenig Fakten. Ein Jahresbericht halt. Das Drumherum soll wohl von dem Eigentlichen ablenken: dem intransparenten Zahlenwerk. Jedes Unternehmen in einer ähnlichen Größenordnung kommentiert seine Bilanzzahlen. Gerade auch, um Missverständnisse und Nachfragen zu vermeiden. Nicht so die Hamburger Handelskammer. Dort gibt es nur nackte und unkommentierte Zahlen, die viele Fragen offen lassen:

1. Sozialkosten
Wie bereits in früheren Ausführungen nachgewiesen (Pest der deutschen Wirtschaft) sind die Sozialkosten (die auch die Pensionen umfassen) bei der Handelskammer Hamburg extrem hoch. Das setzt sich auch in 2008 fort. Von 32,62 Prozent in 2007 steigen sie auf 33,14 Prozent in 2008 oder in Zahlen ausgedrückt: Von 5,678 Millionen Euro auf 6,3 Millionen Euro. Warum? Das erklärt sich vielleicht über den zweiten Punkt.

2. Pensionsrückstellungen
Waren diese im 2007er-Bericht (der als Jahresabschluss bezeichnet wurde) noch separat mit 34 Millionen ausgewiesen, sind sie nun in der 2008er-Version dezent unter dem Posten Rückstellungen versteckt. Das ist alles andere als transparent. Pensionsrückstellungen sind aber ein wichtiger Punkt. Man denke da nur an das LBK Hamburg (jetzt Asklepios) oder an Opel oder an die IHK Lüneburg-Wolfsburg. Dort waren die Pensionsrückstellungen immer ein großes Thema.

3. Finanzanlagen
Was braucht eine Handelskammer Finanzanlagen in Höhe des 2-fachen Jahresbeitrags? Liebe Unternehmer, haben Sie Finanzanlagen in Höhe des zweifachen Jahresumsatzes oder gar des Rohertrags? In Verbindung mit Punkt 2 wird es klar: die Pensionsverpflichtungen müssen abgesichert werden.

So stellt sich also die Frage: Ist die Handelskammer vielleicht für einige handelnde Personen ein Selbstbedienungsladen? Die mangelnde Transparenz nährt zumindest einen Verdacht, der bisher auch nicht ausgeräumt werden konnte.

Deswegen stellen wir folgende Forderungen auf:

1. Die IHK(n) sollen von den Rechnungshöfen der jeweiligen Länder geprüft werden.

2. Die Abschlüsse aller IHK(n) sollen von unabhängigen Wirtschaftsprüfern zertifiziert geprüft werden.

3. Die Gehälter und Pensionen sollen entsprechend den Regeln der Corporate Governance transparent gemacht werden.

Es gab in der Vergangenheit genügend Beispiele schlechten Wirtschaftens: Lüneburg und Schwerin, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Auch der neue DIHK Präsident Driftmann hat als Aufsichtsratsmitglied der angeschlagenen HSH Nordbank keinesfalls bewiesen, dass er Unternehmen zu beaufsichtigen und kontrollieren vermag. Daher sollte die Kontrolle der IHK(n) – bis zur Abschaffung des Kammerzwangs – , durch unabhängige Gremien gewährleistet werden.

Stefan A. Duphorn

Entspannt sitzen. Scharf beobachten. Kammerzwang abschaffen.

Entspannt sitzen. Scharf beobachten. Kammerzwang abschaffen.


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