Hat Driftmann Schweigegeld gebilligt?
Die HSH Nordbank kommt seit Monaten nicht aus den Schlagzeilen heraus. Vor kurzem wurde bekannt, dass HSH Nordbank-Chef Jens Nonnenmacher eine Sonderzahlung in Höhe von 2,9 Millionen Euro bekommt.
Warum? Das fragt man sich. Weil Nonnenmacher sonst die Bank verlassen hätte? Was wäre so schlimm daran? Es wird sich doch auch für 500.000 Euro Gehalt im Jahr ein guter Vorstand finden. Zumal wenn er es schafft, die Bank zu sanieren – dann kann er in späteren Jahren ja auch gerne mehr verdienen.
Nein, es gibt wohl einen einfacheren Grund: die 2,9 Millionen Euro könnten Schweigegeld sein. So jedenfalls interpretiert es der Hamburger FDP-Chef Burkhardt Müller-Sönksen. Wörtlich: „Herr Nonnenmacher kennt alle Schweinereien dieser Bank. Und der Senat hat ihm Geld gegeben…“. Die Sache liegt natürlich auf der Hand: Wenn Nonnenmacher bleibt, wird er nichts gegen die Aufsichtsräte sagen. Wenn er geht, kann es ihm egal sein. Dann wird er im Zweifel auspacken. Auch um seine Reputation zu schützen.
Gehälter und Bonuszahlungen eines Vorstands einer AG müssen eigentlich vom Aufsichtsrat abgesegnet werden. Das Aktiengesetz besagt, dass der Aufsichtsrat „bei der Festsetzung der Gesamtbezüge des einzelnen Vorstandsmitglieds (Gehalt, Gewinnbeteiligungen, Aufwandsentschädigungen, Versicherungsentgelte, Provisionen und Nebenleistungen jeder Art) dafür zu sorgen, dass die Gesamtbezüge in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben des Vorstandsmitglieds und zur Lage der Gesellschaft stehen.“
Die zentrale Frage ist also, ob die Sonderzahlung angemessen ist. SPD-Finanzexperte Peter Tschentscher meinte dazu nur, Nonnenmacher habe keinen Rechtsanspruch. Wenn also kein Rechtsanspruch besteht, warum dann diese Zahlung? Mit seiner Kritik steht Tschentscher nicht allein. Auch die Monopolkommission rügte die Zahlung.
Die Frage ist nun, welche Rolle Prof. Dr. Hans Heinrich Driftmann, seines Zeichens DIHK-”Präsident”, dabei spielt. Hat er dieser Zahlung zugestimmt? Hat er ein Interesse daran, dass Nonnenmacher geht? Wohl eher nicht. Denn Nonnenmacher kennt die Schweinereien und ist vielleicht auch im Besitz belastender Aufsichtsratsprotokolle. Also ist nicht auszuschließen, dass Driftmann wohl im Zweifel der „Schweigegeld“-Zahlung zugestimmt hat. Aber ist ein DIHK-”Präsident”, der solch einer Zahlung zugestimmt hat, noch tragbar?
Und ist ein DIHK-”Präsident”, der als Aufsichtsratsmitglied die fast drei Milliarden Euro Verlust der HSH-Bank und die zehn Milliarden Euro Bürgschaft durch den Steuerzahler für diese Skandalbank mitzuverantworten hat, überhaupt jemals in dieser Position tragbar gewesen?
Stephan A. Duphorn
![]()
Entspannt sitzen. Scharf beobachten. Kammerzwang abschaffen.
![]()
Tags: Burkhardt Müller-Sönksen, DIHK, FDP, HSH Nordbank, Jens Nonnenmacher, Peter Tschentscher, Prof. Dr. Hans-Heinrich Driftmann


July 23rd, 2009 at 19:50
Schweigegeld?
Dies ist mit Sicherheit sehr zutreffend.
Das Schlimme daran ist, dass kriminelle Elemente in diesem Lande auch noch von oberster Stelle nicht nur “gedeckt”, sondern wohl auch noch ganz offiziell von oberster Stelle unterstützt werden.
Mir fehlten ja die Worte, als ich am 21.07.2009 einmal wieder REPORT MAINZ auf ARD mitverfolgt habe.
Titel:
Ausgebremste Steuerfahnder: Wie aus engagierten Beamten psychisch Kranke wurden
Liest man nur die Überschrift, so könnte man meinen, es ginge um “faule Beamte”. Aber ganz im Gegenteil.
Es wird über den 45-jährigen erfolgreichen Steuerfahnder Rudolf Schmenger berichtet. Zu erfolgreich für die Oberen in diesem Lande.
Mitte der 90er Jahre halfen die Großbanken (Deutsche Bank, Dresdner Bank, Comerzbank, etc.) ihren Kunden, Steuern durch Anlage von Geld in Liechtenstein zu hinterziehen, um den Fiskus um die kurz zuvor eingeführte Zinsabschlagsteuer zu prellen.
Die Comerzbank wurde 1996 als erstes von Rudolf Schmenger und seinen Kollegen durchsucht.
Die Commerzbank muss erhebliche Steuern nachzahlen und erhält einen Strafbefehl über 30 Millionen Euro.
Ich mache es einmal kurz:
Man muss den Artikel einfach gelesen haben. Link:
http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=4965148/8nywjl/index.html
Link zum Video:
http://www.swr.de/report/-/id=233454/did=4965148/pv=video/gp1=5150208/nid=233454/hn7f3k/index.html
Interessant auch die Haltung der Koch-Regierung zu diesem Thema.
Auch die Sendung BRISANT berichtete am 23.07.2009 über weitere Fälle.
http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36082&key=standard_document_37591068
Ebenso ein Radiobericht auf HR-online:
http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36082&key=standard_document_37591068
Bananenrepublik ist mittlerweile der absolut harmloseste Ausdruck für dieses Land.
SCHURKENSTAAT ist da schon sehr viel zutreffender.
Es ist mir unverständlich, dass solche Mißstände in diesem Lande von der Bevölkerung zwar (vielleicht) zur Kenntnis genommen werden, aber irgendwie auch ignoriert werden.
Frage: Wo sind die 68er?
Antwort: Im Parlament, in den oberen Führungsetagen.
In diesem Sinne,
Michael Pramann
Borwelle 20
37632 Eschershausen
http://www.wdr.de/tv/monitor//dossiers/menschenrechte.php5