Onkel Driftmanns Märchenstunde: ein Lehrstück der DIHK-Propaganda
kammerwatch fordert seit langem den Rücktritt von Hans Heinrich Driftmann vom “Präsidenten”-Pöstchen des DIHK. Driftmann war nach seinem Versagen als Aufsichtsratsmitglied der HSH Nordbank und somit einem Mitverschulden an dem berühmten 2,7 Milliarden Euro Verlust der Bank in 2008 nach Berlin entsorgt worden. Nach “Focus”-Berichten diskutierten Driftmann und Konsorten im HSH-Aufsichtsrat bereits am 17.12.2003 die Vorteile der Steueroase Cayman-Inseln. Der Aufsichtrat “stimmte der Einrichtung einer Cayman Islands Branch zu”. Und wie tut sich Driftmann heute hervor? Er lenkt von sich ab, geißelt im heutigen “Welt“-Interview andere und schwimmt auf der vermeintlich sicheren Empörungswelle: Managerboni sind seiner Ansicht nun auf einmal “unanständig”. Märchenstunde mit Onkel Driftmann.
Dieser Mann hat keine Skrupel, von seinem HSH-Nordbank-Versagen abzulenken. Ganz in der Tradition des überflüssigen DIHK plustert er sich auf und sondert staatstragend Worthülsen ab. Leere Worte sind wir Unternehmer und Handwerker vom DIHK gewohnt. Aber mit Hans Heinrich Driftmann an der Spitze dieser umstrittenen Organisation bekommen sie eine ganz neue Bedeutung.
“Es gibt unanständig hohe Gehälter, Boni und Tantiemen”, sagte Driftmann “Welt online“. Trotzdem ist er gegen gesetzliche Regelungen, das sei ein “ethisches Problem”.
Aha. Ist das nicht wieder ganz in der Tradition des “Täuschen, tarnen, tricksen“, das erst kürzlich Gegenstand der kammerwatch-Berichterstattung war? Man könnte denken, dies sei reine Dummschwätzerei. Aber nein, es scheint viel schlimmer: eine Vernebelung mit Methode. Zuerst entrüstet man sich moralisch ob der unverdienten “unanständig hohen Gehälter, Boni und Tantiemen” für einige Manager – es ist ja nicht so, dass alle Manager ihr Geld ungerechtfertigt erhalten – und dann seufzt man tief, zieht die Schultern hoch, setzt den feisten Dackelblick auf uns sagt: “Regeln können wir das aber nicht.” Und philosophiert dann: “Das ist ein ethisches Problem.” Ach ja? Sind die 2,7 Milliarden Verlust bei der HSH Nordbank vielleicht auch nur ein ethisches Problem? Sozusagen eines, das man künftigen Philosophengenerationen überlassen sollte, während man jetzt mit fester Hand irgendwoanders den Karren erneut in den Dreck fährt?
Nun, lesen wir weiter im “Welt”-Interview. Was gibt Driftmann als nächstes zum besten? “Ich verstehe schon, dass die Banken keine unabsehbaren Risiken eingehen können. Aber viele Entscheidungen der Banken zur Kreditvergabe werden zu schematisch getroffen. Wir müssen bei den Ratingverfahren weniger zurückschauen, sondern mehr nach vorn.” Oh, wie entscheidungsstark. Driftmann versteht. Und nach vorne schauen sollen wir, nicht zurück. Wir sollen also nicht auf die in seiner Verantwortung liegenden 2,7 Milliarden Euro Verlust zurückschauen, für die der Steuerzahler geradezustehen hat. Nein! Den Blick fest nach vorn, weg von den eigenen Sünden. Ja, so lobt sich der DIHK seinen “Präsidenten”.
Weitere Kostproben gefällig? “Auch die Neubesetzung des Wirtschaftministeriums mit Karl Theodor zu Guttenberg sehe ich als Glücksfall. Die Gespräche mit ihm zeigen, da ist jemand, der weiß, wovon er redet und der konzeptionell denken kann.” Das ist ja eine ganz neue Erkenntnis für die Republik. Wow, Herr Professor! Muss man für einen solchen Durchblick eigentlich studiert haben? Tja, zu schade, dass der “Welt”-Journalist – und im übrigen wir Unternehmer und Handwerker genausowenig – dieses Kompliment an Driftmann zurückgeben können. Denn wir können nicht sehen, dass Driftmann weiß, wovon er redet. Und konzeptionell denken? Hmm – schauen wir mal zurück auf die Caymans.
Über “Zweckgesellschaften” auf den Cayman-Inseln und in anderen Steueroasen ein Teil wurden jene riskanten Geschäfte der HSH Nordbank abgewickelt, die später in die Krise führten. Denn den Kontrolleuren im Risiokoausschuss sei am 7. März 2005 ein Modell präsentiert worden, mit dem später Millionensummen ohne die bis dahin übliche langwierige Risikoabwägung vergeben werden sollten. Aus “Effizienzgründen” verzichte man auf “ausdrückliche Kreditbeschlüsse”, notierte ein Protokollant laut “Focus”. Durch das “Schnellankaufverfahren” wurden Millionen im Eiltempo durchgewunken.
Oh ja, Herr Professor. Sehr konzeptionell, sehr effektiv. Sagen Sie einmal, haften Sie eigentlich für die 2,7 Milliarden Verlust? Oder zeigen Sie lieber einfach nur mit dem Finger auf andere – wie z.B. die unanständigen Manager? Sehr elegant, Herr Professor. So elegant, dass wir uns fragen, was die Staatsanwaltschaft davon halten mag. Ob die wohl gegen Driftmann & Co ermittelt? Oder hat Driftmann sich mit dem Guttenberg-Lob aller Schuld entledigt?
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Entspannt sitzen. Scharf beobachten. Kammerzwang abschaffen.
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