Zwangsmitgliedschaft ist Quatsch
Der Lautsprecher der Industrie Hans-Olaf Henkel rechnet mit den Abwrackern unserer Republik ab: mit unfähigen Politikern, mit gierigen Bankstern, mit unfähigen Managern und skrupellosen Journalisten.
Von Stefan A. Duphorn
Anlässlich der Vorstellung seines neuen Buches war Henkel Gast in der Sendung DAS! des NDR. Dort sagte Henkel, er halte die Zwangsmitgliedschaft der vielen kleinen Betriebe in den Industrie- und Handelskammern für Quatsch.
Henkel ist nicht irgendwer. Er war lange Deutschland-Chef von IBM und später Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Es ist also schon interessant, dass ein ehemaliger Vertreter des Spitzenverbands der deutschen Wirtschaft die Zwangsmitgliedschaft für Quatsch hält.
In seinem Buch fordert er eine Hall of Shame, eine Halle der Schande. Eine sehr gute Idee. Wir könnten da auch ein paar Kandidaten beisteuern. Beispielsweise den DIHK-Präsidenten Konsul Professor Dr. Hans Heinrich Driftmann. Mitglied im Versagergremium HSH Aufsichtsrat. Still, heimlich und leise hat er sich aus dem Gremium verabschiedet. 2,9 Milliarden Miese hinterlassend. Der Mann hat einfach keinen Anstand. Statt „Tschüß“ zu sagen und „das war’s“, macht er weiter und schwafelt von Ethik. Ja, wer hat denn laut Aktiengesetz den Vorstand zu kontrollieren? Der Aufsichtsrat!
Die Kritik von Henkel an der Zwangsmitgliedschaft ist übrigens nicht neu. Im Jahre 2006 erhielt er den Deutscher Mittelstandspreis des markt intern-Verlages. Auch wegen seines Eintretens gegen die Zwangsmitgliedschaft mittelständischer Unternehmen in den Industrie- und Handelskammern.
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Entspannt sitzen. Scharf beobachten. Kammerzwang abschaffen.
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Tags: DIHK, Hans-Heinrich Driftmann, Hans-Olaf Henkel, Industrie- und Handelskammern, Zwanksmitgliedschaft


December 2nd, 2009 at 15:43
Nicht nur Hans-Olaf Henkel äußerte sich so, sondern auch Altbundeskanzler Helmut Schmidt, indem er den Kammerzwang als “Quatsch aus dem Mittelalter” bezeichnete.
December 2nd, 2009 at 16:46
Hans-Olaf Henkel in der Sendung DAS! Des NDR vom 01.12.2009
Die Sendung dauerte 30 Minuten, aber hier der uns interessierende Textauszug:
Frage der Moderatorin Inka Schneider:
“Wären Sie selbst gerne einmal in die Politik gegangen?”
Hans-Olaf Henkel:
“…ich glaube, ich wäre total gescheitert als Politiker, denn ich kann nicht das sagen, an das ich nicht glaube. Und wenn Sie in einer Partei sind – nehmen wir einmal an, ich wäre in die FDP gegangen -, dann hätte ich jetzt mich hinstellen müssen und hätte die verrückte Idee verteidigen müssen, die Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen zu halbieren oder auf 7% zu setzen. So etwas Absurdes würde mir als Politiker nicht einfallen, und wenn ich das dann verteidigen muss, das hätte ich nicht gekonnt.
Oder die Zwangsmitgliedschaft der kleinen Betriebe in den Handelskammern. Dafür ist die FDP, die CDU, die SPD, dafür sind sie alle. Ich halte das für einen Quatsch. Wir sind das einzige Land, das diese Zwangsmitgliedschaft gesetzlich vorgibt. Ja, dann muss ich mich hinstellen und muss die begründen, obwohl ich dagegen bin… Ich hätte diese Karriere nicht lange überlebt.“
Textnachschrieb aus dem Interview
Hans-Joachim Ebel
December 4th, 2009 at 10:54
Präziser, ehrlicher und kompakter kann kaum jemand das Zwangskammer-Elend und die Verlogenheiten deutscher Politiker beschreiben, als dies am 01.12.2009 Hans-Olaf Henkel beim NDR in einem lockeren Interview bei der Sendung “DAS” präsentierte. Während Henkel entspannt ein paar Weihnachtsnüsschen knackte, reflektierte er in solider und gelassener hanseatischer Art die Gedanken von Hunderttausenden betroffenen Zwangskammermitgliedern in den Äther der Öffentlichkeit.
Beeindruckend auch seine aufrechte Meinung, dass er (und die meisten “normalen” Bürger sicherlich auch) niemals öffentlich dem Volk gegen seine eigene Überzeugung die Meinung eines unsinnigen Parteibeschlusses eintrichtern könnte, wie dies z.B. insbesondere die “freiheitliche” FDP (wie die meisten anders farbigen Politgangster leider auch) in Sachen Kammerzwang und sonstigen Dingen permanent demonstriert.
Ich wünsche mir einige “Henkels” mehr in unserem verarmenden Deutschland, und zwar als aktive Politiker, die auch schnellstmöglich etwas Sinnvolles bewegen können. Aber für einen glaubwürdigen Politiker-Job bekommt man wohl keine charismatischen Menschen mehr, wie Hans-Olaf Henkel einer ist. Und das hat Herr Henkel auch absolut gut begründet. Danke, Herr Henkel, für dieses öffentliche Vorweihnachtsgespräch beim NDR. Deutschland muß abgewrackt werden – stimmt – nachzulesen in Henkels neuestem Buch…
Hier ein Link zu einem kurzen Ausschnitt vom Interview (1:48min):
http://www.youtube.com/watch?v=3w1rR4OhpBA&feature=player_embedded)
Mit Freude gesehen, gehört und bearbeitet von
K.-H. Becker